Die Mobilitätswende in den Städten muss viel radikaler gedacht werden

„Ein Fußgänger ist nur ein Mensch, der auf dem Weg zu seinem Auto ist.“ So lautet seit vielen Jahrzehnten das Paradigma in der Verkehrs- und Stadtplanung. In Deutschland hat der Aufschwung des Automobils nach dem zweiten Weltkrieg begonnen. Architekten wie Rudolf Hillebrecht nutzten die stark zerstörten Städte, um ihre Idee einer autogerechten Stadt umzusetzen. Alles musste dem Auto weichen: Historische Bauten wurden abgerissen und Grünflächen abgeschafft, um Parkhäusern Platz zu machen. Was in den 50er und 60er Jahren, den Jahren in denen der Futurismus seine Blütezeit hatte, noch als notwendig erschien, ist nun zu einem toxischen Erbe geworden.

Es ist auch keine Mobilitätswende, wenn in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren die bestehende Fahrzeugflotte mit Verbrennungsmotor gegen Elektroautos austauscht wird. Damit ist in Sachen Verkehr und Lebensqualität nichts gewonnen. Ob Pendler mit dem E-Auto oder einem Diesel durch die Stadt kriechen, macht keinen Unterschied.
Die bisherigen Verkehrs- und Stadtplanungen verbauen die Zukunft. Nicht nur in Sachen Technologie, sondern auch für neue, erfolgreiche Wirtschaftszweige. Soll der Verkehr ernsthaft reduziert und Städte mit partizipativen Verkehrsstrukturen ausgestattet werden, müssen Sharing-Ideen mehr Platz eingeräumt werden. Das Carsharing sollte zusammen mit neuen Ridesharing-Konzepten bevorzugt behandelt werden.

Ridesharing, Carsharing, besserer ÖPNV – das allein reicht nicht. Wenn die Mobilitätswende erfolgreich sein soll, müssen auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden.

Will man die Mobilitätswende ernsthaft angehen, müssen wir damit beginnen, außerhalb bekannter Muster zu denken. Statt eingleisige Überlegungen zum Autoverkehr anzustellen, sollten wir in größeren Strukturen denken. Städtische wie private Unternehmen müssen zusammen überlegen, wie sie den Verkehr der Zukunft gestalten wollen. Startups und bestehende Unternehmen haben so die Chance, einen komplett neuen Wirtschaftszweig der Mobilität aufzubauen, ohne dass die Mobilität des Einzelnen darunter leidet.

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