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Das Geschäft mit YouTube Fake Views | Video

Die Abrufzahlen auf YouTube lassen sich leicht manipulieren. Ein Insider erklärt, wie das Geschäft mit Fake Views, also künstlichen Video-Abrufen, funktioniert.

Es war ganz leicht mit Fake Views Geld zu machen. 2013 startete der Kanadier Martin V. seine Seite 500Views. Darüber verkauft er künstliche Abrufe von YouTube-Videos. Damals, mit Mitte 20, nahm das Geschäft sofort Fahrt auf. Weil er in Googles Suchergebnissen weit oben gelistet war, landeten all jene, die die Reichweite ihrer Videos erhöhen wollten, bei Martin. "Damals habe ich 30.000 bis 40.000 Dollar im Monat verdient. Heute mache ich nicht annähernd so viel." Denn die Konkurrenz ist hart. Mittlerweile, sagt Martin, verdiene er zwischen fünf- und zehntausend Dollar im Monat.

Zahlreiche digitale Plattformen

Im Schatten der großen digitalen Plattformen wie Facebook, YouTube und Instagram hat sich eine ganze Industrie entwickelt. Zahllose Seiten verkaufen nicht nur YouTube Views, sondern auch Facebook-Likes, Instagram-Follower oder Plays bei Spotify.

Martin sagt, er könne bis zu zwei Millionen YouTube-Views pro Tag organisieren. Generiert werden die aber nicht von Martin selbst. Er ist nur Zwischenhändler. Bestellungen, die bei ihm aufgegeben werden, leitet er an größere Seiten weiter. "Das sind meine Großhändler. Und die leiten es dann wahrscheinlich noch mal weiter. Es ist wie ein Spinnennetz." Wo die Views genau herkommen, wie sie generiert werden, ob durch menschliche Klick-Arbeiter in Entwicklungsländern oder durch Bots, das weiß Martin selbst nicht mal. Wichtig ist: es funktioniert.

Wir haben testweise Views gekauft, auch bei Martin. 500 Views kosten je nach Website zwischen fünf und zehn Dollar. Ein Video, das einfach nur tippende Hände im Zeitraffer zeigt, haben wir auf einem Kanal mit gerade einmal 19 Abonnenten gepostet. Organisch hätte es also so gut wie keine Abrufe erzielen können. Nach dem Kauf von Fake Views, stieg die Zahl innerhalb weniger Stunden auf die bestellten 500. Auch ein zweiter Test-Einkauf bei einem anderen Dienst lieferte die bestellten Fake Views.

Eine Million Abrufe für zwei- bis dreitausend Dollar

Einfach ist es und kostet kein Vermögen. 500 Views sind schon für ein paar US-Dollar zu haben. Wer richtig zuschlägt, muss für eine Millionen Abrufe 2.000 bis 3.000 US-Dollar hinlegen. Kürzlich hatte Martin erst eine solche Großbestellung. Ein Musiker bestellte Views, "mehrere Millionen Views", sagt Martin. Und das, obwohl der Musiker einen Kanal mit 3,4 Millionen Abonnenten hat.

Viele seiner Kunden kommen aus Nordamerika, aber auch aus dem Rest der Welt bekommt Martin Bestellungen, auch aus Deutschland. Allzu detailliert möchte er aber nicht darüber sprechen, wer seine Dienste in Anspruch nimmt. In seinem Geschäft müsse man diskret sein, erzählt Martin. Er arbeitet deshalb allein, Angestellte könnten Interna ausplaudern, das Risiko will er nicht eingehen. "Ich lösche auch alle meine E-Mails."

Interessant für Influencer

Besonders interessant ist die künstliche Maximierung der Reichweite vor allem für jene, die Geld mit ihren Reichweiten verdienen: Influencer. In Deutschland, schätzt Christoph Burseg, hat wohl jeder Influencer, der auf YouTube eine nennenswerte Reichweite aufbauen wollte, schon mal auf Fake Views zurückgegriffen.

Burseg arbeitet im Online-Marketing und hat eine Analyse-Software für YouTube mitentwickelt. Viele würden nach ersten Tests aber wieder die Finger davon lassen. "Man merkt, die Views sind zwar da, aber es kommen keine Abonnenten dazu, es kommen keine Interaktionen zustande und dann lässt man es wieder sein." Allerdings gebe es durchaus einige Influencer oder auch Agenturen, die bewusst betrügen. "Das sind aber eher die kleinen und mittleren Influencer", so Burseg. Für die großen Namen würde es sich schlicht nicht lohnen.

Fake Views allein sorgen aber nicht dafür, dass Videos viral gehen. Viele von Martins Kunden, vermutet der View-Händler, versuchten durch die Fakes in die YouTube-Trends aufzusteigen, um mehr organische Abrufe zu generieren. "Wenn du dir für ein schlechtes Video 5.000 Views kaufst - das bringt nichts." Man brauche schon ein gutes Video und müsse all die Dinge beachten, die es braucht, um auf YouTube erfolgreich zu sein: ein griffiger, Suchmaschinen-optimierter Titel, ein gutes Vorschaubild, die richtige Verschlagwortung.

Ingo Sander