Was ersetzt die Arbeit, wenn Maschinen unsere Jobs übernehmen?

Jobs mögen verschwinden, doch wir könnten endlich Besseres mit unserem Leben anfangen.
Es muss nur gelingen, die Gewinne der Automatisierung gerechter zu verteilen.

Sally und Flippy haben gute Aussich­ten, zum Traumpaar der Fast-­Food-Industrie zu werden. Sally kann 1000 verschiedene Salate frisch zubereiten, sekundenschnell auf Knopfdruck, ganz wie es Kunden wünschen; Flip­py brät Hamburgerfleisch, bis es perfekt braun ist – ohne je müde zu werden oder einen Stunden­lohn zu verlangen.

Sally und Flippy sind Vertreter einer neuen Generation von Robotern, die auf ihre Umwelt reagieren und mitdenken können. Nicht so weit, dass sie Allround-Talente wären. Aber die Fähigkeiten, die Entwickler ihnen mitgeben, genügen jetzt, um in einer Menschenwelt zu bestehen, die voller Ungewissheit ist.

Mussten Arbeitsschritte bisher klar umrissen sein, wie beim Schweißen in der Fabrik, erlau­ben es Fortschritte in Künstlicher Intelligenz, Vernetzung und Sensorik den Maschinen neuerdings, auch in Grauzonen zu operieren. Lernfähige Algorithmen meistern immer neue Aufgaben, indem sie beobachten, auswerten und optimieren. Bis am Ende der vom Menschen geschaffene Apparat den Menschen selbst übertrifft (siehe Special Künstliche Intelligenz in WIRED 3/2016).

Während Maschinen früher vor allem Muskelkraft ersetzten, zeigen sie nun genug Grips und Geschick, um sich universell nützlich zu machen. „Es trifft nicht nur Lagerarbeiter“, sagt Ole Wintermann, Wirtschaftsforscher bei der Bertelsmann-Stiftung, „gerade Wissensarbeit kann durch Maschinen sehr viel schneller und systematischer erfolgen als durch Menschen.“

Ob ein Job Zukunft hat, entscheidet sich deshalb weniger am Bildungsgrad als an der Frage: Kann ihn im Prinzip auch ein KI-System oder Roboter übernehmen – und wie teuer wäre es, die Menschenarbeit auf eine Maschine zu übertragen? Zwar sind nach einer McKinsey-­Analyse nur wenige Berufe vom Aussterben bedroht; fast überall jedoch ließen sich einzelne Tätigkeiten automatisieren. „Es sind nicht ganze Jobs, die ersetzt werden“, erklärt McKinsey-Partner Matthias Daub,  „sondern es geht um bestimmte Aktivitäten – Anteile von Jobs.“ 

Selbst wenn Algorithmen und Roboter dabei vorwiegend zu Assistenten werden, die Informationen oder Bauteile vorsortieren: Im Ergebnis zeichnet sich ein massiver Rückgang an Arbeitsplätzen ab. Würde das Automatisierungs-­Potenzial voll ausgeschöpft, könnte die deutsche Wirtschaft um das Jahr 2055 herum auf knapp die Hälfte aller Beschäftigten verzichten, sagt McKinsey voraus. Das wären mehr als 20 Millionen Menschen.

„Das Grundeinkommen kann nur in einem ganz anderen Gesellschafts­modell funktionieren“, glaubt Stefan Heumann, Mitgeschäftsführer der Stiftung Neue Verantwortung, einem Think-Tank für Digitalfragen. „Im Moment ist die Erwartung: Man geht Arbeiten und wird dafür bezahlt – und wer nicht arbeiten kann, wird von der Gesellschaft aufgefangen.“ Auch das Selbstwertgefühl hänge oft von der Beschäftigung ab. „Viele Menschen definieren sich darüber, dass sie gerade nicht Staatshilfen beziehen“, sagt Heumann.

Für Albert Wenger führt die Brücke zwischen Utopie und Wirklichkeit vor allem über den Willen zur Veränderung: „Es geht um Werte, und wir müssen auf Basis dieser Werte entscheiden, in welcher Art von Gesellschaft wir leben wollen.“ Automatisch werde das nicht passieren. „Technologie“, sagt Wenger, „erweitert nur den Raum des Möglichen.“ Ihn so zu gestalten, dass er lebenswert bleibt, mag die wichtigste Aufgabe sein, die vor der Menschheit liegt. Schön, dass Sally und Flippy bereitstehen, zumindest beim Kochen zu helfen.